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Porträt Bertholt Brecht
  • Über den Zweifel

    Me-tis Schüler Do verfocht den Standpunkt, man müsse an allem zweifeln, was man nicht mit eigenen Augen sähe.
    Er wurde wegen dieses negativen Standpunkts beschimpft und verließ das Haus unzufrieden. Nach einer kurzen Zeit kehrte er zurück und sagte auf der Schwelle: Ich muß mich berichtigen. Man muß auch bezweifeln, was man mit eigenen Augen sieht.

    Gefragt, was denn dem Zweifeln eine Grenze setze, sagte Do: Der Wunsch, zu handeln.
    B.B. aus dem Buch der Wendungen (Me-ti), Bd.18, S.137 ca.1935
  • "Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank? Was ist die Ermordung eines Mannes gegen die Anstellung eines Mannes?" - Die Dreigroschenoper
  • „Es gibt viele Arten zu töten. Man kann einem ein Messer in den Bauch stechen, einem das Brot entziehen, einen von einer Krankheit nicht heilen, einen in eine schlechte Wohnung stecken, einen durch Arbeit zu Tode schinden, einen zum Suizid treiben, einen in den Krieg führen usw. Nur weniges davon ist in unserem Staat verboten.“

    Bertolt Brecht (Werk: Me-Ti. Buch der Wendungen)
  • Schwierigkeiten werden nicht dadurch überwunden, dass sie verschwiegen werden.
  • Das Schlimmste ist nicht, Fehler zu haben...
    ...nicht einmal sie nicht bekämpfen...
    Schlimm ist es, sie zu verstecken...
  • Angesichts von Hindernissen mag die kürzeste Linie zwischen zwei Punkten die Krumme sein...
  • "Was tun Sie", wurde Herr K. gefragt, "wenn Sie einen Menschen lieben?" "Ich mache einen Entwurf von ihm", sagte Herr K., "und sorge, daß er ihm ähnlich wird." "Wer? Der Entwurf?" "Nein", sagte Herr K., "der Mensch."

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  • Es ist ein weit verbreiteter Unfug, dass die Liebe über die Freundschaft gestellt wird und außerdem als etwas völlig anderes betrachtet wird. Die Liebe ist aber nur soviel wert, als sie Freundschaft enthält, aus der allein sie sich immer wieder herstellen kann. Mit der Liebe der üblichen Art wird man nur abgespeist, wenn es zur Freundschaft nicht reicht.
  • Sie sägten die Äste ab, auf denen sie saßen
    Und schrieen sich zu ihre Erfahrungen,
    Wie man schneller sägen könnte, und fuhren
    Mit Krachen in die Tiefe, und die ihnen zusahen,
    Schüttelten die Köpfe beim Sägen und
    Sägten weiter.
    - Bertolt Brecht, Exil, III
  • Keinen verderben lassen
    auch nicht sich selbst
    jeden mit Glück zu erfüllen
    auch sich, das
    ist gut.
  • Erst kommt das Fressen, dann die Moral.
  • Das große Karthago führte drei Kriege. Nach dem ersten war es noch mächtig. Nach dem zweiten war es noch bewohnbar. Nach dem dritten war es nicht mehr zu finden.
  • Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt.
  • Wer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war.

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  • Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher.
  • Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.
  • Daß die Lebensläufe von Einstein und Brecht zusammengehören, ist dem Dr. W. Näser im Sommersemester 2002 aufgefallen und hat sie auf sehr informative Weise hintereinandergesetzt: Die Lebensläufe

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  • IDEAL EINES MANNES IN FRÜHEREN ZEITEN…

    den Kopf behalten, wenn alle ihn verlieren;
    sich selber vertrauen, wenn alle an einem zweifeln; aber ihnen ihren Zweifel erlauben;

    warten können und nicht müde werden vom Warten;
    darüber Lügen hören, aber nicht teilnehmen an Lügen; oder gehasst werden und keinen Grund dazu geben und doch nicht zu gut aussehen und nicht zu weise reden.

    träumen können und nicht von Träumen beherrscht werden;
    denken können und Gedanken nicht zu seinem Ziel machen;

    Triumph und Unglück treffen und diese beiden Betrüger gleich behandeln;

    ertragen können, die Wahrheit, die man gesprochen hat , verdreht zu hören von Schurken, die daraus eine Falle für Leichtgläubige machen;

    die Dinge zerbrochen sehen, an die man sein Leben gab, und sich bücken und sie wieder zusammenflicken mit abgenutzten Werkzeugen.

    einen Haufen aus allen seinen Gewinnen machen können und ihn riskieren an einen Wurf;

    und verlieren und wieder von vorn anfangen und niemals ein Wort sagen über seinen Verlust.

    (aus dem Buch Me-ti)

    Und hier das Original "IF" von Rudyard Kipling, aus dessen vorletzter Zeile hervorgeht, wem die Welt wirklich gehört...

    IF.....


    IF you can keep your head when all about you
    Are losing theirs and blaming it on you,
    If you can trust yourself when all men doubt you,
    But make allowance for their doubting too;
    If you can wait and not be tired by waiting,
    Or being lied about, don't deal in lies,
    Or being hated, don't give way to hating,
    And yet don't look too good, nor talk too wise:

    If you can dream - and not make dreams your master;
    If you can think - and not make thoughts your aim;
    If you can meet with Triumph and Disaster
    And treat those two impostors just the same;
    If you can bear to hear the truth you've spoken
    Twisted by knaves to make a trap for fools,
    Or watch the things you gave your life to, broken,
    And stoop and build 'em up with worn-out tools:

    If you can make one heap of all your winnings
    And risk it on one turn of pitch-and-toss,
    And lose, and start again at your beginnings
    And never breathe a word about your loss;
    If you can force your heart and nerve and sinew
    To serve your turn long after they are gone,
    And so hold on when there is nothing in you
    Except the Will which says to them: 'Hold on!'

    If you can talk with crowds and keep your virtue,
    ' Or walk with Kings - nor lose the common touch,
    if neither foes nor loving friends can hurt you,
    If all men count with you, but none too much;
    If you can fill the unforgiving minute
    With sixty seconds' worth of distance run,
    Yours is the Earth and everything that's in it,
    And - which is more - you'll be a Man, my son!

    Und hier eine recht interessante Übersetzung von

    Lothar Sauer 1960

    Wenn....

    Wenn du den Kopf bewahrst, da rings die Massen
    längst kopflos sind und dich als Anlaß sehn,
    dir treu sein kannst, wenn alle dich verlassen,
    und dennoch ihren Wankelmut verstehn;
    kannst warten du und langes Warten tragen,
    läßt dich mit Lügnern nie auf Lügen ein,
    kannst du dem Hasser deinen Hass versagen
    und doch dem Unrecht unversöhnlich sein.

    Wenn du kannst träumen, doch kein Träumer werden,
    nachdenken und gleichwohl kein Grübler sein;
    wenn dich Triumph und Sturz nicht mehr gefährden,
    weil beide du als Schwindler kennst, als Schein;
    kannst du die Wahrheit sehn, die du gesprochen,
    verdreht zum Köder für den Pöbelhauf,
    siehst du als Greis dein Lebenswerk zerbrochen
    und baust mit letzter Kraft es wieder auf –

    Wenn du auf EINES Loses Wurf kannst wagen
    die Summe dessen, was du je gewannst,
    es ganz verlieren und nicht darum klagen,
    nur wortlos ganz von vorn beginnen kannst;
    wenn du, ob Herz und Sehne längst erkaltet,
    sie doch zu deinem Dienst zu zwingen weißt
    und durchhältst, auch wenn nichts mehr in dir waltet
    als nur dein Wille, der "durchhalten!" heißt –

    Kannst du zum Volke ohne Plumpheit sprechen,
    und im Verkehr mit Großen bleibst du schlicht;
    läßt du dich nicht von Freund noch Feind bestechen,
    schätzt du den Menschen, überschätzt ihn nicht;
    füllst jede unerbittliche Minute
    mit sechzig sinnvollen Sekunden an:
    Dein ist die Erde dann mit allem Gute,
    und was noch mehr, mein Sohn: Du bist ein Mann!


    (Rudyard Kipling, Urheberrecht der Übersetzung : Lothar Sauer ,1960)

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  • ORGES WUNSCHLISTE
    Von den Freuden, die nicht abgewogenen.
    Von den Häuten, die nicht abgezogenen.

    Von den Geschichten, die unverständlichen.
    Von den Ratschlägen, die unverwendlichen.

    Von den Mädchen, die neuen.
    Von den Weibern, die ungetreuen.

    Von den Orgasmen, die ungleichzeitigen.
    Von den Feindschaften, die beiderseitigen.

    Von den Aufenthalten, die vergänglichen.
    Von den Abschieden, die unterschwänglichen.

    Von den Künsten, die unverwertlichen.
    Von den Lehrern, die beerdlichen.

    Von den Genüssen, die aussprechlichen.
    Von den Zielen, die nebensächlichen.

    Von den Feinden, die empfindlichen.
    Von den Freunden, die kindlichen.

    Von den Farben, die rote.
    Von den Botschaften, der Bote.

    Von den Elementen, das Feuer.
    Von den Göttern, das Ungeheuer.

    Von den Untergehenden, die Lober.
    Von den Jahreszeiten, der Oktober.

    Von den Leben, die hellen.
    Von den Toden, die schnellen.
    1956
    BB,Werke,1993,Bd.15,S.297

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  • UND ICH DACHTE IMMER
    Und ich dachte immer: die allereinfachsten Worte
    Müssen genügen. Wenn ich sage, was ist
    Muß jedem das Herz zerfleischt sein.
    Daß du untergehst, wenn du dich nicht wehrst
    Das wirst du doch einsehen.
    1955
    BB,Werke,1993,Bd.15,S.295
  • EPITAPH FÜR MAJAKOWSKI
    Den Haien entrann ich
    Die Tiger erlegte ich
    Aufgefressen wurde ich
    Von den Wanzen.
    1948
    BB,Werke,1993,Bd.15,S.178
  • Das große Karthago führte drei Kriege.
    Nach dem ersten war es noch mächtig.
    Nach dem zweiten war es noch bewohnbar.
    Nach dem dritten war es nicht mehr zu finden.
  • Ich habe viel Mühe, ich bereite meinen nächsten Irrtum vor.

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  • Ich halte dafür, daß das einzige Ziel der Wissenschaft darin besteht, die Mühseligkeiten der menschlichen Existenz zu erleichtern.
  • Adolf Hitler, dem sein Bart,
    ist von ganz besondrer Art.
    Kinder da ist etwas faul:
    Ein so kleiner Bart und ein so großes Maul.
  • Die Schriftsteller können nicht so schnell schreiben, wie die Regierungen Kriege machen; denn das Schreiben verlangt Denkarbeit.
  • Unglücklich das Land, das Helden nötig hat!
  • SCHWÄCHEN
    Du hattest keine
    Ich hatte eine:
    Ich liebte
    1950
    BB,Werke,1993,Bd.15,S.223

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